{"id":3367,"date":"2025-07-10T17:43:45","date_gmt":"2025-07-10T17:43:45","guid":{"rendered":"https:\/\/elisagratias.com\/propuesta\/?p=3367"},"modified":"2025-09-12T18:45:30","modified_gmt":"2025-09-12T18:45:30","slug":"friedensarbeit-im-alltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/2025\/07\/10\/friedensarbeit-im-alltag\/","title":{"rendered":"EL TRABAJO POR LA PAZ EN LA VIDA COTIDIANA"},"content":{"rendered":"\r\n<p><strong>Diario de una idealista vacilante, parte 1<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u00abLa vida es algo maravilloso y grandioso, m\u00e1s adelante tendremos que construir un mundo completamente nuevo, y a cada nuevo crimen, a cada nueva crueldad, tendremos que oponernos con un poco m\u00e1s de amor y bondad, que debemos conquistar en nuestro interior\u00bb, escribi\u00f3 Etty Hillesum en un campo de tr\u00e1nsito durante la Segunda Guerra Mundial. Pero, \u00bfqu\u00e9 significa conquistar la bondad en nuestro interior? \u00bfC\u00f3mo se hace y c\u00f3mo sabemos si sirve de algo?&nbsp;<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Elisa Gratias se considera una trabajadora por la paz en la vida cotidiana. Estamos rodeados de gente. Y, sin embargo, parece como si todos vivi\u00e9ramos en mundos diferentes, aunque nuestros cuerpos recorran las mismas calles. \u00bfQu\u00e9 pasa por la mente de los dem\u00e1s? En la mayor\u00eda de los casos, nunca lo sabr\u00e1. En cambio, comparte lo que pasa por su mente y describe c\u00f3mo lleva a cabo su trabajo interior por la paz en medio de la sociedad de consumo.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-image\" id=\"attachment_7044\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/elisagratias.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/ilse-orsel-J5EUUY7SuLk-unsplash-1024x685.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7044\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Ilse Orsel<\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rita<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ihre F\u00fc\u00dfe sind geschwollen und trocken. Sie ragen aus den Schuhen heraus. Hat sie Schmerzen? Die Frau muss doch Schmerzen haben. Ich traue mich nicht, sie anzusprechen. Setze mich mit einem Meter Abstand neben sie auf die lange Bank im Busbahnhof. Immer wieder blicke ich in ihre Richtung. Sie ist dick und ihre Kleidung scheint sauber. Auch die H\u00e4nde und Fingern\u00e4gel. Dennoch erweckt sie den Eindruck, sie sei obdachlos. Ihre grauen, schulterlangen Haare sind auch sauber. Ihr Gesichtsausdruck ist irgendwie anders. Zu ihren F\u00fc\u00dfen stehen zwei gro\u00dfe Einkaufsbeutel voller Kram, auf einem liegt eine gefaltete Zeitungsseite.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Als ich wieder in ihre Richtung sehe, sagt sie etwas, doch ich verstehe sie kaum. Sie zeigt mit dem Kopf zum Bus. Eine Werbung. \u201eDer Moment ist jetzt,\u201c steht darauf. Ist sie ein Engel wie im Roman \u201eDer Weg des friedvollen Kriegers\u201c? Wieder sagt sie etwas. Traube.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Traube? Ich sehe einen Mann und zwei Kinder auf dem Busplakat. Ein M\u00e4dchen sitzt auf dem Tisch. Dann holt die Frau neben mir eine Tetra-Packung Wei\u00dfwein aus ihrer Tasche und zeigt auf die hellen Trauben. Erst jetzt sehe ich, dass das M\u00e4dchen aus der Werbung einen kleinen Teller vor sich stehen hat, auf dem eine einzelne Weintraube liegt, die ich gar nicht gesehen hatte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Frau neben mir lacht. \u201eSie hat die Traube gestohlen.\u201c Ich verstehe nicht, was sie meint, aber lache kurz mit. Wir kommen ins Gespr\u00e4ch. Sie fragt, ob ich in Palma wohne und ich antworte, dass ich in Andratx lebe. Als ich sie frage, wo sie wohnt, sagt sie \u201enirgendwo\u201c. Mein Eindruck war also richtig.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich werde nerv\u00f6s. Denke, ich sollte ihr anbieten, mit zu mir zu kommen, aber traue mich nicht. Sie macht mir Angst. Und was w\u00fcrden meine Mitbewohnerinnen sagen? Und was, wenn sie verr\u00fcckt ist? Auf einmal schrecke ich hoch, denn mein Bus ist kurz vor der Abfahrt. Ich unterbreche sie in ihrer Erz\u00e4hlung, frage sie kurz nach ihrem Namen, nenne meinen und verabschiede mich schnell.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Aufgew\u00fchlt nehme ich im Bus Platz und drehe mich noch einmal zu ihr um. Hinter dem Fenster winkt sie mir mit zwei wei\u00dfen Taschent\u00fcchern. Ich winke zur\u00fcck und l\u00e4chle, w\u00e4hrend mir die Tr\u00e4nen kommen. Weine ich wirklich wegen ihr oder wegen all der anderen Dinge in meinem Leben? Meinem kaputten Auto, meinem Exfreund, meinen st\u00e4ndigen Schuldgef\u00fchlen, die immer wieder extremen Stress in mir ausl\u00f6sen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Aus Reflex ziehe ich das Handy aus der Tasche. Eine Nachricht von meinem Freund Henry. Ich teile mich ihm mit und er schreibt:&nbsp;<em>\u201eF\u00fchle den Weltschmerz. Er ist universell und pers\u00f6nlich und deshalb auch gar nicht trennbar.\u201c<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich m\u00f6chte an eine Welt glauben, in der wir niemanden so leben lassen. Wie kann ich an diese andere Welt glauben, wenn ich selbst nicht in der Lage bin, ihr gem\u00e4\u00df zu leben?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich versuche, nicht ins Drama der Selbstkasteiung abzuschweifen. Immerhin. Ich lasse die Tr\u00e4nen einfach laufen. Ich schluchze. Frage mich kurz, ob das die anderen Fahrg\u00e4ste st\u00f6rt. Aber endlich ist mir mal egal, was andere denken, und so fliegt auch dieser Gedanke schnell weiter.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich f\u00fchle mich wie ein kleines H\u00e4ufchen Elend. Wie ein frierendes Kind, das sich danach sehnt, in w\u00e4rmenden Armen gewiegt zu werden. Ach, diese Verletzlichkeit. Ich sch\u00e4me mich, sie zu f\u00fchlen, sie zur Schau zu tragen und dann doch nichts an den Umst\u00e4nden in der Welt zu \u00e4ndern.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Halt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Byron Katie fragt in \u201eThe Work\u201c ihre ber\u00fchmte Frage: \u201eStimmt das wirklich?\u201c Bevor ich nun also doch, beinahe unbemerkt, wieder in die Selbstvorw\u00fcrfe abdrifte, frage ich mich, ob es wirklich stimmt, dass ich mit meiner Verletzlichkeit nichts an den Umst\u00e4nden in der Welt \u00e4ndere? Rita hat mir mit ihren Taschent\u00fcchern so fr\u00f6hlich, ja herrlich theatralisch, zugewunken. Sie hat mein Herz ge\u00f6ffnet, und vielleicht habe ich auch ihr ein wenig menschliche W\u00e4rme geben k\u00f6nnen, indem wir uns zumindest kurz unterhielten?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wie k\u00f6nnen wir bei allem, was wir in den Nachrichten erfahren und im Alltag um uns herum bezeugen, an den Frieden und eine menschliche Welt glauben? Was tun, wenn dieser Glaube br\u00f6ckelt?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch hier hilft Henry mir und fragt umgekehrt:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p><em>\u201eWas f\u00fcr eine Alternative zum Glauben an eine menschliche Welt haben wir? Und wie w\u00fcrde sie aussehen?\u201c<\/em><\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Finster auf jeden Fall, sagt ein erster Gedanke. Wie ein traumloser Schlaf im Idealfall. Im Herzen wei\u00df ich, es gibt keine Alternative. Stimmt. Im salzigen Tr\u00e4nengesicht ein Hauch von einem L\u00e4cheln und der Gedanke: \u201eMist, ich habe eh keine Alternative\u201c, der mich heute liebevoll aus dem Drama herausgeleitet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich schwanke immer wieder zwischen Zweifeln und Vertrauen. Die Zweifel schwinden in dem Ma\u00df, wie ich selbst den Frieden lebe. Vor allem auch mir selbst gegen\u00fcber. Und so \u00fcbe ich mich heute in Dankbarkeit dar\u00fcber, dass mein Herz offen ist und bleibt, auch wenn es dadurch vieles an sich heranl\u00e4sst, das schwer auf ihm lastet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p><em>\u201eIn unserer allt\u00e4glichen Wirklichkeit schotten wir uns gegen beide Seiten ab, sowohl gegen die Wahrheit des Opfers, als auch gegen die Seite des T\u00e4ters, und st\u00fclpen sofort unsere Weltanschauung dar\u00fcber. Hauptsache, unser Weltbild stimmt. Das ist unser Schutz vor wirklicher Ber\u00fchrung. Nur, weil wir schon so verschlossen sind, k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt noch die Nachrichten ertragen. Wir sind erleichtert, wenn wir die Guten und die B\u00f6sen unterscheiden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Dann leben wir uns gepflegtes Alltagsleben, und wenn wir irgendwo einen sozialen Aspekt in unserem Leben eingebaut haben, halten wir uns f\u00fcr gute Menschen. Auf diese Weise entsteht der schleichende Faschismus unserer Zeit: die Gleichg\u00fcltigkeit\u201c&nbsp;<\/em>(Sabine Lichtenfels \u2013 \u201eGrace\u201c).<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich sehe es nun also als Friedenstraining f\u00fcr den Alltag: Lassen wir uns ber\u00fchren, gerade dann, wenn es wehtut, wenn Ohnmacht und Selbstvorw\u00fcrfe schon bereit stehen, um in unserem Inneren zu w\u00fcten. Beobachten wir sie und achten wir darauf, immer wieder ins Gef\u00fchl zur\u00fcckzukommen, damit unser Herz offenbleibt. Als Einzelpersonen k\u00f6nnen wir die Obdachlosen vielleicht nicht aus ihrer schlimmen Lage befreien, aber wir k\u00f6nnen ihnen in die Augen sehen und sie als Menschen wahrnehmen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p><em>\u201eHunger nach Leben, Hunger nach Liebe, Hunger nach Vertrauen und Heimat, Hunger nach Anerkennung, Hunger danach, gesehen und verstanden zu werden. Dieser Hunger ist unabh\u00e4ngig von jeder Kultur. Er ist einfach da, in jedem Menschen, so wahr er noch Mensch geblieben ist\u201c&nbsp;<\/em>(Sabine Lichtenfels \u2013 \u201eGrace\u201c).<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/terra-nova.earth\/category\/magazin\/\">Magazin<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/terra-nova.earth\/category\/magazin\/news\/\">News<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/terra-nova.earth\/category\/magazin\/terra-nova\/\">Terra Nova<\/a><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abLa vida es algo maravilloso y grandioso, m\u00e1s adelante tendremos que construir un mundo completamente nuevo, y a cada nuevo crimen, a cada nueva crueldad, tendremos que oponernos con un poco m\u00e1s de amor y bondad, que debemos conquistar en nuestro interior\u00bb, escribi\u00f3 Etty Hillesum<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3368,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[64],"tags":[],"class_list":["post-3367","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-textos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3367"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5756,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367\/revisions\/5756"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}