{"id":3360,"date":"2025-07-10T17:41:08","date_gmt":"2025-07-10T17:41:08","guid":{"rendered":"https:\/\/elisagratias.com\/propuesta\/?p=3360"},"modified":"2025-09-11T14:26:45","modified_gmt":"2025-09-11T14:26:45","slug":"der-blick-von-unten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/2025\/07\/10\/der-blick-von-unten\/","title":{"rendered":"Der Blick von unten"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Leben und Wirken der Journalistin Martha Gellhorn zeigt, dass vieles, was wir heute erleben, nichts Neues ist, und inspiriert uns, ihrem Vorbild zu folgen.<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Foto: Olga Savina\/Shutterstock.com<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sie besa\u00df nicht nur Talent, sondern vor allem auch Mut: Vom 22. bis zu ihrem 85. Lebensjahr war Martha Gellhorn rastlos auf dem gesamten Globus unterwegs, um mit dem ihr eigenen trockenen Witz und ihrer scharfen Beobachtungsgabe aus Krisengebieten und \u00fcber Ereignisse zu berichten, die f\u00fcr Schlagzeilen sorgten. Ihre Reportagen sind nicht nur politisch erfrischend und auf n\u00fcchterne Weise ber\u00fchrend, sie weisen auch viele Parallelen zu heute auf. Sie erinnern uns daran, dass wir im Angesicht des Unrechts stets die Wahl haben: wegzuschauen und dadurch mitzumachen oder unerm\u00fcdlich und trotz s\u00e4mtlicher Widrigkeiten immer wieder auf die Missst\u00e4nde hinzuweisen und unser menschliches Mitgef\u00fchl sprechen zu lassen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.manova.news\/autoren\/elisa-gratias\">Elisa Gratias<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.manova.news\/autoren\/madita-hampe\">Madita Hampe<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eDie Menschen sagen oft mit Stolz: \u201aIch interessiere mich nicht f\u00fcr Politik.\u2018 Sie k\u00f6nnten genauso gut sagen: \u201aIch interessiere mich nicht f\u00fcr meinen Lebensstandard, meine Gesundheit, meine Arbeit, meine Rechte, meine Freiheiten, meine Zukunft oder irgendeine Zukunft.\u2018 Wenn wir die Kontrolle \u00fcber unsere Welt und unser Leben behalten wollen, m\u00fcssen wir uns f\u00fcr die Politik interessieren\u201c<\/em>\u00a0(<a href=\"https:\/\/www.azquotes.com\/quote\/1169479\">Martha Gellhorn<\/a>).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es ist jene Rigorosit\u00e4t, die aus diesen Zeilen spricht, die Bereitschaft, sich einzumischen in Angelegenheiten, die sie vermeintlich nichts angehen, als Amerikanerin, als Modejournalistin, als Frau, die Gellhorn zu einer Ikone des westlichen Journalismus macht. Die kompromisslose Professionalit\u00e4t, mit der sie ihre Arbeit betreibt, wirkt umso faszinierender in einer Welt, in der gestandene Profijournalisten davon sprechen, sie w\u00fcrden \u201erecherchieren\u201c, wenn sie etwas in eine Suchmaschine eingeben oder die Meldungen zweier Nachrichtenagenturen zusammenschreiben. Gellhorn w\u00fcrde diese Art zu arbeiten wahrscheinlich noch nicht einmal als wirklichen Journalismus bezeichnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir leben in einer Welt, in der wir daran gew\u00f6hnt sind, ein scheinbar \u00e4quivalentes Bild der Wirklichkeit innerhalb eines Wimpernschlags abrufen zu k\u00f6nnen. Dass dieses Bild vorher von irgendjemandem konstruiert worden sein muss, dass es per Definition nie komplett mit der Wirklichkeit \u00fcbereinstimmen kann und dass man, um kompetent \u00fcber ein Ereignis berichten zu k\u00f6nnen, entweder dabei gewesen sein oder aber sich in der realen Welt tief in das Geschehene vertieft haben muss, ist in Zeiten des aktualit\u00e4tsgetriebenen Online- und Anzeigenjournalismus nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Martha Gellhorn war immer vor Ort. Und immer hei\u00dft in ihrem Fall wirklich immer. Zwischen 1935 und 1990 berichtete sie aus nahezu jedem Krieg, der die Welt in dieser Zeit ersch\u00fctterte. Sie schlug sich teils mit waghalsig schlechten Sprachkenntnissen durch komplexe Gemengelagen und wusste \u2014 auch wenn ihre Perspektive mit Sicherheit subjektiv gepr\u00e4gt war \u2014 zumindest immer, wovon sie sprach. Ein journalistisches Ideal, das sie schon fr\u00fch verinnerlichte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die 1908 geborene Tochter eines Gyn\u00e4kologen und einer Frauenrechtlerin, die aus Breslau vor dem antisemitischen Klima in die USA geflohen waren, und ihre drei Br\u00fcder hatten bei den zahlreichen Tischdiskussionen im Elternhaus einige Regeln zu befolgen, wie Gellhorn sp\u00e4ter konstatierte:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eKein Klatsch, keine Ger\u00fcchte. Alles, was man sagte, musste selbst erlebt oder beobachtet sein. Und keine Voreingenommenheit, keine Vorurteile\u201c<\/em>\u00a0(1).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ihr eigener Weg<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Marthas gr\u00f6\u00dfter Traum ist die Schriftstellerei. Auf gut gemeinte Ratschl\u00e4ge und Anweisungen insbesondere von M\u00e4nnern gibt sie dabei nicht viel. Anfang der 1930er-Jahre lebt sie kurzzeitig im Haus des ber\u00fchmten englischen Schriftstellers Herbert George (H.G.) Wells. Dieser nimmt sich ihrer Ausbildung an. Zumindest versucht er es, wenn auch Gellhorn seinen Unterricht im Nachhinein als sehr irritierend beschreibt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wells legt der jungen Martha nahe, sie k\u00f6nne niemals schreiben, wenn sie nicht auf eine Fachhochschule gehe und dort Naturwissenschaften studiere. Er weckt sie jeden Morgen, \u201ezwingt sie\u201c \u2014 wie Gellhorn es sp\u00e4ter beschreibt \u2014 aufzustehen, weil er davon ausgeht, es k\u00f6nnte nur dann etwas Brauchbares entstehen, wenn sie sich genau wie er von 9.30 bis 13 Uhr dem Schreiben widmet. Die junge Martha legt sich meist sofort wieder hin, schlie\u00dflich verbrachte sie nat\u00fcrlich die Abende damit, unten im Dorf mit den Gentlemen zu tanzen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>1930 ist Martha Gellhorn 22 Jahre alt und bricht das College nach dem ersten Semester ab, um mit lediglich zwei Koffern, 75 Dollar und einer Schreibmaschine nach Paris zu gehen. Sie wirkt attraktiv, selbstbewusst und furchtlos, was ihr dabei hilft, mit Artikeln f\u00fcr jedes Blatt, das sie drucken wollte, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sechs Jahre sp\u00e4ter lernt sie auf Kuba Ernest Hemingway kennen, der bereits damals als einer der besten Schriftsteller seiner Generation gilt, und geht mit ihm nach Spanien, um dort im Auftrag der Zeitschrift\u00a0<em>Collier\u2019s<\/em>\u00a0\u00fcber den B\u00fcrgerkrieg zu berichten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Hier offenbart sich ihr gr\u00f6\u00dftes Talent: Anstatt \u00fcber die Mechanismen des Krieges schreibt sie \u00fcber den Mut gew\u00f6hnlicher Zivilisten, die in den Konflikt verwickelt sind. Ihr Auftraggeber ist begeistert, und sie erh\u00e4lt weitere Artikelanfragen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Von da an zieht sie von Krieg zu Krieg und entfaltet ihre ganz eigene \u2014 weibliche \u2014 Stimme, die sie zur bedeutendsten Kriegsreporterin des 20. Jahrhunderts macht:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eZu der Zeit, als die meisten Kriegsreporter \u00fcber Feldz\u00fcge, Verluste und Strategien schrieben, berichtete sie \u00fcber das, was Krieg den einfachen Menschen antut, \u00fcber Zivilisten, verwaiste Kinder, Opfer und Zerst\u00f6rung\u201c<\/em>\u00a0(2).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Was Gellhorn so besonders auszeichnet, sind nicht nur ihr ungew\u00f6hnlicher Mut, als junge Frau alleine in Krisengebiete zu gehen und sich in einer M\u00e4nnerdom\u00e4ne zu behaupten, sondern vor allem ihr mitrei\u00dfender Stil, der Leserinnen und Leser sp\u00fcren l\u00e4sst, was sie beobachtet, als w\u00e4ren sie selbst dabei.<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das Schreiben f\u00e4llt ihr nicht leicht, sie klagt \u00fcber Blockaden und R\u00fcckschl\u00e4ge. Doch sie macht beharrlich bis ins hohe Alter weiter, da die Schriftstellerei f\u00fcr sie das ist, woran sie sich in einer unsicheren und feindseligen Welt festhalten kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Kurz nach ihrem 85. Geburtstag beschlie\u00dft sie, nach Brasilien zu reisen, um \u00fcber Stra\u00dfenkinder zu berichten. Sie ist leicht taub, auf einem Auge fast blind und leidet unter R\u00fcckenschmerzen, was sie nicht davon abh\u00e4lt, wochenlang durch das Land zu fahren und Menschen zu interviewen. Ihr Tatendrang ist unerm\u00fcdlich, und sie notiert: \u201eWir lernen immer hinzu, die Gedanken wachsen, wie Fingern\u00e4gel im Grab, solange wir atmen\u201c (3).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>1998 nimmt sie sich wegen ihrer Krankheiten im Alter von 89 Jahren das Leben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heute und damals<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>24 Jahre sp\u00e4ter bedroht eine gro\u00dfe Wirtschaftskrise die Welt, und die Mittelschicht hat die \u00c4rmsten aus ihrem Bewusstsein verbannt, w\u00e4hrend sie selbst den sozialen Absturz f\u00fcrchtet. 24 Jahre sp\u00e4ter haben wir zwei Jahre Corona-Wahnsinn hinter uns und erleben, wie Andersdenkende aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden. 24 Jahre sp\u00e4ter glauben viele Europ\u00e4er, sie w\u00fcssten, wie die Welt ist, weil sie sich im Internet oder Fernsehen informieren. Oft bestimmt Angst unsere Weltsicht und nicht mehr die Neugierde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Martha Gellhorns Berichte und Erfahrungen beruhigen, weil sie zeigen, dass es auch damals bereits schlimmste Missst\u00e4nde gab, was sie nicht daran hinderte, ein erf\u00fclltes Leben zu f\u00fchren, ohne wegzuschauen. Sie k\u00f6nnte ein Vorbild sein f\u00fcr heutige Journalisten, die allzu oft die Welt von ihren Laptops aus bewerten und beschreiben, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Die Stationen ihres Lebens und journalistischen Wirkens offenbaren erstaunliche Parallelen zu heutigen politischen Begebenheiten und Zust\u00e4nden. Sich der Mechanismen bewusst zu werden, die hinter sich wiederholender Geschichte stehen, geht zwangsl\u00e4ufig einher mit der Auseinandersetzung mit den Mechanismen der eigenen Menschlichkeit.<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Annahme, wir w\u00fcrden uns als Individuen auf ganz grundlegende Weise von anderen Menschen \u2014 auch von denen, die in einer anderen Zeit gelebt haben \u2014 unterscheiden, kann in vielen Bereichen als Illusion bezeichnet werden. In den gro\u00dfen Krisen unseres pers\u00f6nlichen Lebens wie in den Bew\u00e4hrungsproben der Gesellschaft sind wir uns erstaunlich \u00e4hnlich, in unserer Angst, unserem Mut, unseren teils zerst\u00f6rerischen Bew\u00e4ltigungsmechanismen und in dem Gef\u00fchl von identifikatorischer Zugeh\u00f6rigkeit, das wir in politischen Gruppen finden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weltwirtschaftskrise (North Carolina, USA, 1934)<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Als sie nach vier Jahren zum ersten Mal aus Frankreich in die USA zur\u00fcckkehrt, bereist sie im Alter von 25 Jahren im Auftrag des Wei\u00dfen Hauses die US-Bundestaaten New England, North Carolina und South Carolina, um \u00fcber die Auswirkungen der gro\u00dfen Depression und eventuelle \u201eProtestgruppen\u201c zu berichten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sie besucht Fabrikarbeiter und Arbeitslose in ihren H\u00e4usern und beschreibt, was sie dort sieht und was die Menschen ihr erz\u00e4hlen. Eine Frau erh\u00e4lt 3,40 Dollar Sozialhilfe pro Woche, ihre Kinder haben keine Schuhe, und in der Wohnung stehen kaum M\u00f6bel. Sie gibt wieder, wie sehr diese Leute noch auf die Worte des im Jahr zuvor gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Franklin D. Roosevelt vertrauen, der den Mindestlohn und die Einf\u00fchrung einer Sozialversicherung versprach.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eIn vielen Fabrikd\u00f6rfern kam es zu Zwangsr\u00e4umungen; weitere sind angedroht. Diese Menschen sind in einer furchtbaren Klemme. Mein Gott, wie d\u00fcrftig die Sprache erscheint: Diesen Menschen stehen Hunger und K\u00e4lte bevor, die Aussicht, abh\u00e4ngige Bettler zu werden; ihnen droht Obdachlosigkeit, und sie m\u00fcssen damit rechnen, dass ihre Familien auseinandergerissen werden. Wieviel mehr kann ein Mensch wohl ertragen? Ich wei\u00df es nicht.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Man w\u00fcrde denken, dass sie verr\u00fcckt sind vor Angst, vor Feindseligkeit. Ich erwartete \u201agesetzlose\u2018 Reden, Drohungen oder zumindest blanke Verzweiflung. Und ich fand nichts dergleichen, nur verhaltenes, stilles Elend; Angst um ihre Familie und Angst, dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen k\u00f6nnen. (\u2026) Aber was sie bei Verstand h\u00e4lt, weitermachen und hoffen l\u00e4sst, das ist ihr Glaube an den Pr\u00e4sidenten. (\u2026)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Diese Menschen werden nicht so schnell die Hoffnung aufgeben und lange nicht am Pr\u00e4sidenten zweifeln. Aber wenn sie ihre Jobs nicht bekommen, was dann? Wenn der Winter kommt und sie sehen, dass die Hilfe unter dem Existenzminimum bleibt, was dann?<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Ich denke, vielleicht streiken sie wieder, hoffnungslos und apathisch. An einigen wenigen Orten k\u00f6nnte es zu Gewalt kommen, die gewiss schnell unterdr\u00fcckt wird. Aber wenn sie diese Hoffnung verlieren, dann bleibt f\u00fcr sie als Gruppe nicht viel \u00fcbrig. Und wenn diese Klasse \u2014 die auch ein wunderbarer Menschenschlag ist \u2014 ihren Mut verliert oder ihre Moral oder wie auch immer Sie es nennen wollen, dann wird es ein noch schlimmeres soziales Problem geben als jetzt schon. Mit der Zeit, wenn Entt\u00e4uschung und Leid hinzukommen, k\u00f6nnten aus ihnen gegen ihren Willen verzweifelte Menschen werden. Wie es aussieht, steht zwischen ihnen und der schieren Angst der Pr\u00e4sident. Aber nur der Pr\u00e4sident\u201c<\/em>\u00a0(4).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und sie irrten sich nicht. Roosevelt brachte wenig sp\u00e4ter den New Deal auf den Weg, mit dem er heftige Kritik auf sich zog und von den Republikanern als Kommunist und Enteigner verunglimpft wurde. Die Berichte der jungen Journalistin, die ohne Filter das Elend beschrieb, das sie sah, halfen, die \u00c4rmsten in die Gesellschaft zur\u00fcckzuholen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch heute, so scheint es, befinden wir uns in einer zumindest partiell ganz \u00e4hnlichen Situation. Inflation, steigende Gaspreise, Kriegsangst und die Aussicht auf einen Winter, der zumindest f\u00fcr einen Teil der Bev\u00f6lkerung durchaus kalt werden k\u00f6nnte, dominieren das politische Klima.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Und auch hier in Deutschland zeichnet sich die Mentalit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung eher durch apathische Hoffnung in die Regierung, in irgendjemanden, der es irgendwie noch regeln mag, bevor es zum Schlimmsten kommt, als durch politisches Aufbegehren aus.<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Doch die Berichterstattung heute unterscheidet sich grundlegend von der Gellhorns: Fast nichts h\u00f6ren wir \u00fcber Einzelschicksale, Menschen, die schon jetzt ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen, die ihre Wohnungen verlieren, von Menschen, die sich von ihren nicht an die Inflation angepassten Hartz-IV-S\u00e4tzen nicht mal mehr ein gesundes Ma\u00df an Obst und Gem\u00fcse leisten k\u00f6nnen. Stattdessen lesen wir von allgemeiner Sparmoral, der Aufforderung, kalt zu duschen, solidarisch zu sein mit der Ukraine, umzustellen auf erneuerbare Energien. Die Forderung, Nord Stream 2 zu \u00f6ffnen, gilt sogar dann als unsolidarisch, wenn man selbst existenziell darauf angewiesen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausgrenzung Andersdenkender (USA, 1947)<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In der Nachkriegszeit w\u00fctet in den USA die Hass-Angst vor Kommunisten, die vom republikanischen Senator Joseph McCarthy aggressiv befeuert wird. Martha Gellhorn beschreibt sie als eine \u201eneurotische Angst vor einem unsichtbaren und unbekannten Feind\u201c, die zu \u201eAngst vor privater Meinung und unangepasstem Verhalten, Angst vor Fremdem\u201c f\u00fchrt \u2014 \u201eund fremd war jeder, der sich von der umgebenden Mehrheit unterschied\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Martha Gellhorn zeigt sich davon angewidert und schreibt im amerikanischen Politikmagazin\u00a0<em>The New Republic<\/em>\u00a0\u00fcber das Kreuzverh\u00f6r eines deutschen Musikers im gro\u00dfen Saal des Repr\u00e4sentantenhauses durch das House Un-American Activities Committee:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eDies ist nicht der gro\u00dfe Terror, den wir w\u00e4hrend der langen verhassten Jahre mitansahen; es gibt keine heimlichen Verhaftungen, keine Bestrafung unter Folter, nicht die R\u00fcckkehr als Asche in einem Karton. Dies ist nur ein wenig Terror, dazu bestimmt, den kleinen Leuten Angst einzujagen. Es funktioniert. Ohne das Gesetz zu bem\u00fchen, kann ein Mensch v\u00f6llig zerst\u00f6rt werden. (\u2026)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Denn vielleicht sind die M\u00e4nner dieses Komitees entschlossen, Schweigen zu verbreiten, jene Stimmen einzusch\u00fcchtern, die Nein rufen, Fragen stellen, die Vorgef\u00fchrten verteidigen, Grausamkeit attackieren und auf die Rechte und W\u00fcrde des Menschen pochen.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Ein Mann mit Familie wird es sich zweimal \u00fcberlegen, bevor er furchtlos und kritisch seine Meinung sagt, wenn ihm eine unamerikanische Untersuchung, eine \u00f6ffentliche Brandmarkung und der Verlust des Jobs drohen. Es ist ein schwacher Trost, zu wissen, dass man zwar wegen seiner Meinung nicht ins Gef\u00e4ngnis geworfen werden kann, aber ihre freie Meinungs\u00e4u\u00dferung dazu f\u00fchrt, dass die Angeh\u00f6rigen hungern\u201c<\/em>\u00a0(5).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>70 Jahre sp\u00e4ter d\u00fcrften Gellhorns Ausf\u00fchrungen wohl kein weniger mulmiges Gef\u00fchl in den M\u00e4gen der meisten Leserinnen und Leser ausl\u00f6sen. Das Gef\u00fchl, genau zu wissen, welche Abweichung vom offiziellen Narrativ der Coronakrise man sich in welchem Kontext leisten kann, ist ein Ph\u00e4nomen, das auch heute die kleine Unfreiheit unserer Gesellschaft oder \u2014 wie Gellhorn es nennen w\u00fcrde \u2014 \u201eden kleinen Terror\u201c ausmacht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im Feindgebiet (Polen, 1958)<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ihre erste Reise in ein kommunistisches Land unternimmt Martha Gellhorn im Alter von 50 Jahren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eIch f\u00fchlte mich ziemlich wagemutig, als am Flughafen Warschau mein Koffer sorgf\u00e4ltig durchsucht wurde. Ich hatte kein Empfehlungsschreiben, sprach kein Wort Polnisch, und als ich auf der Stra\u00dfe vor meinem Warschauer Hotel stand, fragte ich mich, ob ich bereit f\u00fcrs Irrenhaus war. Wie wollte ich diesen Job erledigen, den ich mir selbst ausgesucht hatte?\u201c<\/em>\u00a0(6)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Also geht sie die Stra\u00dfe herunter, entdeckt eine Galerie und geht hinein. Dort trifft sie einen jungen K\u00fcnstler, dank dem sie nach und nach mehrere Menschen kennenlernt, mit denen sie sich anhand eines Sprachgemischs aus Franz\u00f6sisch, Deutsch und Englisch verst\u00e4ndigt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eJulek hatte gesagt, dass die jungen Menschen ohne Hoffnung seien, aber seine Vitalit\u00e4t, ihre Vitalit\u00e4t widerlegte diese Behauptung. Diese lustigen, unterern\u00e4hrten, mangelhaft gekleideten, gut aussehenden jungen Menschen waren eine gro\u00dfartige Generation, frei, hellwach und unerschrocken. Wie all die wirklich Tapferen waren sie sich ihrer Tapferkeit nicht bewusst; Tapferkeit war ihr Normalzustand. (\u2026)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Die zuf\u00e4llige Gruppe von Polen gew\u00e4hrte mir den Luxus des Bewunderns. Wenn eine Generation so aufwachsen konnte wie sie, die die Grausamkeit des Krieges und die staatliche Unterdr\u00fcckung erfahren hatten und trotzdem ungebrochen, gro\u00dfz\u00fcgig, tolerant und fr\u00f6hlich waren, dann gab es Hoffnung f\u00fcr unsere fragw\u00fcrdige Spezies. (\u2026)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Ich w\u00fcnschte, dass jene tapferen guten Menschen in Polen die Norm und die Mehrheit unserer Gattung w\u00e4ren, aber das sind sie nicht. Ich w\u00fcnschte, dass Freundlichkeit eine universelle menschliche Eigenschaft w\u00e4re, aber das ist sie nicht. Und ich habe keine L\u00f6sungen\u201c<\/em>(6).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Fast w\u00fcnscht man sich jene Unvoreingenommenheit zur\u00fcck, jene Bereitschaft, sich \u00fcberraschen zu lassen von den Menschen hinter dem heimisch gesch\u00fcrten Feindbild. Es ist eine \u00dcberraschung, die man nahezu immer erf\u00e4hrt, wenn man die Angst vor dem anderen, dem Stigmatisierten, dem Juden, Araber, Obdachlosen oder \u2014 wie heute wohl ein weiteres Mal \u2014 dem Russen \u00fcberwindet, ihm menschlich und als Individuum begegnet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\r\n<p>Diese Bereitschaft, sich den sogenannten Feinden menschlich zu n\u00e4hern, Freundschaften und Bewunderung zwischen den kleinen Leuten zu etablieren oder \u2014 wie Gellhorn es mit ihren Berichten vermochte \u2014 empfundene N\u00e4he zu schaffen, auch zwischen denjenigen, die nicht das Privileg hatten, eine fremde Kultur zu bereisen, ist kein rein pers\u00f6nlicher Fortschritt.\u00a0<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es ist eine gesamtgesellschaftliche Leistung f\u00fcr den Frieden, die im Zweifelsfall den Krieg verhindert. Denn wer ist schon bereit, gegen die eigenen Freunde in den Kampf zu ziehen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Gellhorns Reise nach Polen fand mitten im kalten Krieg statt, einem Zustand, dem die heutige Welt immer \u00e4hnlicher zu werden scheint. Zutiefst angewidert von der absurden Kriegslust beider Seiten schreibt sie:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eDie F\u00fchrer der Welt scheinen auf merkw\u00fcrdige Weise in Privatfehden verstrickt zu sein. Sie sausen in Flugzeugen um den Erdball und walten ihres olympischen Amtes und sie reden und reden unabl\u00e4ssig als Selbstreklame. Ihr Gerede h\u00f6rt sich an, als ob sie glauben, ein Atomkrieg k\u00f6nnte gewonnen oder verloren werden (\u2026). Die F\u00fchrer der Welt scheinen mit dem Leben hier unten auf der Erde die F\u00fchlung verloren zu haben. Denn wir werden gef\u00fchrt und m\u00fcssen folgen, ob wir wollen oder nicht. Aber wir m\u00fcssen nicht schweigend folgen. Als eine von Millionen Gef\u00fchrten werde ich mich auf dieser hirnverbrannten Stra\u00dfe ins Nichts kein St\u00fcck mehr weitertreiben lassen, ohne meine Stimme zu erheben. Mein NEIN wird so wirksam sein wie ein Grillenzirpen. Mein NEIN ist dieses Buch\u201c<\/em>\u00a0(7).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gesundheitsrisiko (Vorbereitung auf ihre erste Afrikareise ab Kamerun, 1961)<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Martha ist inzwischen \u00fcber 50 Jahre alt und eine angesehene Journalistin. Durch den Verkauf einer Kurzgeschichte an das Fernsehen verdient sie 3.000 Dollar, die sie f\u00fcr eine Reise nach Afrika \u201everprassen\u201c will.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eBislang hatte mich trotz wiederholter Vorschl\u00e4ge kein Redakteur f\u00fcr aufregende Beitr\u00e4ge dorthin geschickt \u2014 ich war kein Afrikaspezialist. Man musste erst Experte sein, aber wie wird man\u2019s, wenn man nicht hinkommt?\u201c<\/em>\u00a0(8)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sie l\u00e4dt eine Reiseagentin zu sich ein, mit der sie sich im Atlas die Karte des riesigen, unbekannten Kontinents ansieht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eIch hielt es f\u00fcr eine gute Idee, Afrika von Westen nach Osten entlang des \u00c4quators zu durchqueren. Duala in Kamerun war der n\u00e4chste Ort, den ich in \u00c4quatorn\u00e4he entdecken konnte. Keiner von uns hatte je von ihm geh\u00f6rt, aber sie versprach, nachzuforschen und mir ein Ticket zu besorgen. Und das war dann auch schon die ganze Reiseplanung\u201c<\/em>\u00a0(8).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ihr Hausarzt will sie von ihrem Vorhaben abhalten und bringt sie mit seiner aus Kriegserfahrungen in Nigeria resultierenden Sorge beinahe um:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eIch bekam Spritzen gegen Typhus, die Pest, Cholera, Polio und Tetanus, ganz abgesehen von denen gegen Gelbfieber und Pocken. Ich kriegte Pillen gegen Ruhr, Durchfall und Malaria, dann \u00d6le und Puder, um Wunden und Hautinfektionen heilen zu k\u00f6nnen. (\u2026) Er riet mir, eine Ausr\u00fcstung gegen Schlangenbisse zu kaufen; ich weigerte mich und sagte ihm, dass ich ohnehin vor Angst sterben w\u00fcrde, wenn eine Schlange ihre Giftz\u00e4hne in mich dr\u00fcckte. Und au\u00dferdem erwarte er ja mein baldiges Siechtum auch ohne Hilfe von Schlangen. Dank all dieser vorbeugenden Medikamente f\u00fchlte ich mich todkrank und unf\u00e4hig, mich auf die Reise zu konzentrieren\u201c<\/em>\u00a0(8).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Reise, die sie mit ihrem herrlich bissigen Humor und vor allem nach heutigen Standards oft politisch unkorrekt beschreibt, wird zur \u201eH\u00f6llenfahrt\u201c. Am Ende verliebt sie sich in diesen Kontinent, vor allem in Kenia, und kehrt 13 Jahre lang immer wieder dorthin zur\u00fcck.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Journalismus damals und heute<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Martha Gellhorn bildet sich stets selbst eine Meinung. Sie ist vor Ort, auch wenn andere ihr davon abraten, und beschreibt ihren Eindruck und nicht irgendeine Meldung, die sie anderswo aufgeschnappt hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>1990 reist sie im Alter von 82 Jahren nach Panama, um sich \u00fcber die Ereignisse infolge der US-Milit\u00e4rintervention zu informieren. Die sich ver\u00e4ndernden Pr\u00e4missen, was die Qualit\u00e4t von gutem Journalismus anbelangt, interessieren sie dabei genauso wenig wie das, was andere dabei von ihr denken k\u00f6nnten. Auf die Frage, was die anderen amerikanischen Journalisten gesagt h\u00e4tten, als sie in Panama ankam, ob sie verwundert gewesen seien, antwortet Gellhorn trocken: \u201eThere weren\u2019t any\u201c (deutsch: Es waren keine da, (9)).<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\r\n\r\n\r\n<p><strong>Quellen und Anmerkungen:<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>(1)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ich-liebte-immer-nur-die-welt-der-maenner-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ich-liebte-immer-nur-die-welt-der-maenner-100.html<\/a><br \/>(2) Caroline Moorehead, Nachwort,\u00a0<em>Der Blick von unten<\/em>, Band 1, Edition Tiamat 2019, Seite 257<br \/>(3) Martha Gellhorn, Nachwort,\u00a0<em>Der Blick von unten<\/em>, Band 1, Edition Tiamat 2019, Seite 260<br \/>(4) Martha Gellhorn, Reportage \u201eMein lieber Mr. Hopkins\u201c,\u00a0<em>Der Blick von unten<\/em>, Band 1, Edition Tiamat 2019, Seiten 26 bis 28<br \/>(5) Martha Gellhorn, Reportage \u201eEine wahre Schande\u201c,\u00a0<em>Der Blick von unten<\/em>, Band 1, Edition Tiamat 2019, Seiten 149 bis 150<br \/>(6) Martha Gellhorn, Reportage \u201eDie F\u00fcnfzigerjahre\u201c,\u00a0<em>Der Blick von unten<\/em>, Band 1, Edition Tiamat 2019, Seiten 250 bis 252<br \/>(7)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/mein-nein-ist-dieses-buch-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/mein-nein-ist-dieses-buch-100.html<\/a><br \/>(8) Martha Gellhorn, \u201eReisen mit mir und einem anderen \u2014 f\u00fcnf H\u00f6llenfahrten\u201c, Fischer 2018, Seiten 197 bis 199<br \/>(9)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pjyLA2jC_Aw&amp;t=879s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pjyLA2jC_Aw&amp;t=879s<\/a><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Leben und Wirken der Journalistin Martha Gellhorn zeigt, dass vieles, was wir heute erleben, nichts Neues ist, und inspiriert uns, ihrem Vorbild zu folgen. 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Lebensjahr war Martha Gellhorn rastlos<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3361,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[64],"tags":[],"class_list":["post-3360","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-textos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3360"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5745,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3360\/revisions\/5745"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/elisagratias.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}