{"id":5645,"date":"2025-07-10T17:45:13","date_gmt":"2025-07-10T17:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/elisagratias.com\/2025\/07\/10\/peace-work-in-everyday-life\/"},"modified":"2025-08-11T09:33:55","modified_gmt":"2025-08-11T09:33:55","slug":"peace-work-in-everyday-life","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elisagratias.com\/en\/2025\/07\/10\/peace-work-in-everyday-life\/","title":{"rendered":"PEACE WORK IN EVERYDAY LIFE"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8221;&#8221;]<\/p>\n<p>\n<strong>Tagebuch einer schwankenden Idealistin, Teil 2<\/strong>&#13;\n<p><\/p><\/p>\n&#13;\n<p><em>&#8220;Life is something wonderful and great. We must build a whole new world later on \u2013 and we must counter every further crime, every further cruelty with another piece of love and kindness that we must conquer within ourselves,&#8221; wrote Etty Hillesum in a transit camp during the Second World War. But what does it mean to conquer kindness within ourselves? How do we do that, and how can we tell if it is working?  <\/em><\/p>&#13;\n<p>\n<em>Elisa Gratias sieht sich als Friedensarbeiterin im Alltag. Wir sind umgeben von Menschen. Und doch scheint es, als lebten wir alle in verschiedenen Welten, wenn auch unsere K\u00f6rper durch dieselben Stra\u00dfen laufen. Was geht in all den anderen vor? Das wird sie in den meisten F\u00e4llen niemals erfahren. Daf\u00fcr teilt sie, was in ihr vorgeht, und beschreibt, wie sie ihre innere Friedensarbeit inmitten der Konsumgesellschaft gestaltet.<\/em>&#13;\n<p><\/p><\/p>\n&#13;\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-7112\" src=\"https:\/\/elisagratias.com\/propuesta\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/industry-611668_1280-1024x523.jpg\" alt=\"\"\/>&#13;\n<figcaption class=\"wp-element-caption\">Image: Photo Rabe<\/figcaption>&#13;\n<\/figure>&#13;\n<p><\/p><\/p>\n&#13;\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dirk<\/h2>&#13;\n<p>\nAus dem offenen Fenster h\u00f6re ich vom Schreibtisch aus die fr\u00f6hliche Runde unten auf der Terrasse. Joana feiert ihren 34.\u00a0Geburtstag und daf\u00fcr reisten f\u00fcnf M\u00e4nner Mitte F\u00fcnfzig an. Sie kennen meine Mitbewohnerinnen seit zehn Jahren und kommen jedes Jahr nach Mallorca, um mit ihnen segeln zu gehen. Die Frauen sind die Skipper.\r\n<p>\nEndlich habe ich meine Arbeit geschafft, klappe den Laptop zu und geselle mich zu ihnen. Ich wohne seit einem Jahr mit Antje und ihrer Tochter Joana zusammen, ihre Freunde lernte ich erst gestern kennen. Auf einmal so viele tats\u00e4chlich allesamt gro\u00dfe M\u00e4nner im Haus. Ich setze mich etwas sch\u00fcchtern zu ihnen.\r\n<p>\nSie beziehen mich schnell ins Gespr\u00e4ch ein, stellen Fragen und beantworten meine. Erz\u00e4hlen mir Anekdoten aus ihrer jahrzehntelangen M\u00e4nnerfreundschaft und von den Segelabenteuern mit meinen Freundinnen. Ich genie\u00dfe die fr\u00f6hliche Leichtigkeit.\r\n<p>\n<em>\u201eDie Gesetze des Gl\u00fccks und der Freude verstehen lernen: Das sind wichtige Beitr\u00e4ge zur Entstehung einer neuen Kultur und eines neuen Friedens. (\u2026) Heiterkeit ist eine \u00d6ffnung, durch die viel Neues in dein Leben hineinstr\u00f6men kann\u201c<\/em>\u00a0(Sabine Lichtenfels \u2013 \u201eQuellen der Liebe und des Friedens\u201c).&#13;\n<p>\nMeine Denkgewohnheiten lassen Leichtigkeit selten zu. Ich bin beinahe s\u00fcchtig nach Tiefgr\u00fcndigkeit und Schwermut. Und so dauert es auch nicht lange, bis ich mit meinem Sitznachbarn Dirk in einem Zweiergespr\u00e4ch \u00fcber den Konflikt vieler \u201eNormalb\u00fcrger\u201c mit den Klimaaktivisten lande. Gespr\u00e4che zu den schweren Themen machen mir Freude. Ich will lernen und verstehen, wieso Menschen nicht zueinander finden.\r\n<p>\nAlso lausche ich Dirk, der in einem gro\u00dfen Unternehmen im Technikbereich in der Human-Resources-Abteilung arbeitet und Vater von zwei Kindern ist. Er erz\u00e4hlt mir von seiner Sorge um den \u201eIndustriestandort Deutschland\u201c. In meiner spirituellen Friedensarbeiterwelt klingt das Wort wie aus einer anderen Zeit und v\u00f6llig \u00fcberholt. Ich unterbreche ihn und springe direkt zum Thema Wohlstand und der Tatsache, dass der uns nun auch nicht gl\u00fccklich macht, w\u00e4hrend wir daf\u00fcr die Natur zerst\u00f6ren.\r\n<p>\nDirk spricht vom Waldgebiet, in dem er wohnt, das aufgrund der Trockenheit immer weiter abgeholzt wird. Ich erz\u00e4hle von der regenerierenden Kraft von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tamera.org\/online-courses\/#RWM\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Regenwasserauffangstrukturen<\/a>\u00a0und dazu notwendiger Aufforstung, was er spannend findet. Dann landen wir wieder bei den Klimaaktivisten und Dirk sagt, dass er sie nicht verstehen kann. Er findet die j\u00fcngere Generation undankbar. Ich gr\u00e4tsche wieder hinein und will ihm erkl\u00e4ren, dass es auch ungerecht ist, die jungen Leute zu verurteilen, anstatt ihnen mal wirklich zuzuh\u00f6ren, denn schlie\u00dflich zerst\u00f6rt der \u201eIndustriestandort Deutschland\u201c tats\u00e4chlich die Natur und somit die Lebensgrundlage f\u00fcr sich selbst und f\u00fcr andere.&#13;\n<p>\nNun unterbricht Dirk mich und sagt:\u00a0<em>\u201eElisa, so wirst du mich nicht \u00fcberzeugen. Du sprichst von Zuh\u00f6ren und bringst selbst immer nur neue Argumente ein, anstatt mich reden zu lassen.\u201c<\/em>&#13;\n<p>\nStimmt. Ich atme kurz durch, lasse seine Kritik sacken und h\u00f6re zu:\r\n<p>\n<em>\u201eWenn die Wirtschaft in Deutschland den Bach runtergeht, verlieren viele Menschen ihre Arbeit. Die Leute haben Angst. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und habe mir mein heutiges Einkommen hart erarbeitet, mich immer weitergebildet. Ich bin f\u00fcr 5.000 Ingenieure verantwortlich. Und dann kommen meine Kinder, die diesen Wohlstand als selbstverst\u00e4ndlich hinnehmen, auf nichts davon verzichten wollen, weder aufs Reisen noch aufs Smartphone, und machen uns, den \u00c4lteren, auch noch Vorw\u00fcrfe, wir w\u00fcrden die Erde zerst\u00f6ren, h\u00e4tten alles falsch gemacht und sollen uns \u00e4ndern.\u201c<\/em>&#13;\n<p>\nIch denke an meine Eltern und mich. Ich hatte ihnen vorgehalten, dass wir nie \u00fcber Gef\u00fchle gesprochen haben und ich mich innerlich so leer f\u00fchlte. Was bringt mir all der Wohlstand, wenn ich trotzdem ungl\u00fccklich bin oder gar nichts f\u00fchle?\r\n<p>\nNat\u00fcrlich tut das den \u00c4lteren weh. All ihre M\u00fche und die Opfer, die sie gebracht haben, scheinen auf einmal umsonst. Dank Dirk verstehe ich nun auch all die Menschen besser, die sich \u00fcber Klima- oder Friedensaktivisten emp\u00f6ren statt \u00fcber Umweltzerst\u00f6rung und Waffenlieferungen. Die Angst.\r\n<p>\nEine L\u00f6sung bieten beide Standpunkte nicht. Es ist keine Option, aus Angst vor Ver\u00e4nderung und Armut so weiterzumachen wie in den letzten Jahrzehnten. Menschen werden Arbeitspl\u00e4tze verlieren. Die Aktivistinnen wiederum ignorieren die Sorgen und Bedrohungen der Betroffenen und wollen ihnen ihre Weltanschauung aufdr\u00e4ngen, ohne bei sich selbst zu schauen.\r\n<p>\n<em>\u201eDer wirkliche Friede beginnt immer im Inneren. (\u2026) Hier liegt der gro\u00dfe Irrtum und Wahnsinn so vieler Friedensk\u00e4mpfer, die diese Tatsache ignorieren m\u00f6chten. Sie suchen einen \u00e4u\u00dferen Frieden, ohne etwas \u00fcber die inneren Zusammenh\u00e4nge zu verstehen. Ihr Kampf f\u00fcr den Frieden ist eine Flucht vor sich selbst. Wie viele Kriege und Zerst\u00f6rungen sind aus dem Wahnsinn fanatischer Friedensk\u00e4mpfe entstanden. Friede kann nicht dadurch entstehen, dass man eine Moral oder Weltanschauung anderen aufzuzw\u00e4ngen versucht\u201c<\/em>\u00a0(Sabine Lichtenfels \u2013 \u201eQuellen der Liebe und des Friedens\u201c).&#13;\n<p>\nIch wei\u00df nicht, wie die verschiedenen \u201eLager\u201c zusammenkommen k\u00f6nnen. Ich sehe nur, dass wieder einmal das Schattenprinzip stimmt: Wenn uns etwas triggert, hat es etwas mit uns selbst zu tun. Umwelt- und auch Friedensaktivisten sind von Gleichg\u00fcltigen und Ver\u00e4nderungsunwilligen getriggert und umgekehrt. Sie alle fl\u00fcchten mit ihrer Lebensweise vor sich selbst in die Ablenkung \u2013 die einen in die Arbeit und Emp\u00f6rung \u00fcber Politik und Aktivisten, die anderen in ihren Aktivismus und die Emp\u00f6rung \u00fcber Politik und Gleichg\u00fcltige. Am Ende haben sie alle einfach Angst \u2013 Angst vor Armut, Angst vor Naturkatastrophen, Angst vor einem sinnentleerten Dasein, Angst vor dem Tod \u2026 Angst vor dem nicht gelebten Leben?\r\n<p>\nWenn mich bei ihnen triggert, dass sie einander nicht zuh\u00f6ren, dann zeigt es mir, dass auch ich weiter \u00fcben darf, immer wieder innezuhalten und bei mir selbst zu schauen. Ich kann Dirks Kritik annehmen. Seine Erz\u00e4hlung von den \u00c4ngsten der Menschen um ihren Arbeitsplatz und das Wissen um die innere Leere aufgrund mangelnder Verbindung zum Leben in so vielen Menschen l\u00f6sen Anteilnahme in mir aus.\r\n<p>\nEs ist, was es ist. Die Welt ist komplex. Mein Verstand ist regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberfordert von meiner Suche nach neuen Wegen. Genau deshalb revolutionierte das spirituelle Training im Alltag mein Leben. Ich f\u00fchle mich nicht mehr (st\u00e4ndig) erschlagen von all dem Leid, das ich in der Welt bei fast allen Wesen beobachte, sondern kultiviere \u201edas Gl\u00fcck der Geborgenheit in etwas Gr\u00f6\u00dferem\u201c, das mir Schritt f\u00fcr Schritt meinen Weg als Friedensarbeiterin weist und mich zugleich mit einer nie gekannten Lebensfreude erf\u00fcllt. Rechthabenwollen wird zun\u00e4chst zu Ratlosigkeit und verwandelt sich dann in Annahme und Anteilnahme.\r\n<p>\n<em>\u201eWenn du deine Vorstellungen \u00fcber das, was zu sein habe, zum Schweigen bringst, dann kann die Gegenw\u00e4rtigkeit f\u00fcr das, was ist, beginnen\u201c<\/em>\u00a0(Sabine Lichtenfels \u2013 \u201eQuellen der Liebe und des Friedens\u201c).&#13;\n<p>\nJoana unterbricht uns. Sie f\u00e4nde es sch\u00f6n, wenn wir wieder mit ihr und den anderen feiern. Ich nehme ihre Einladung dankbar an. Sie hilft mir, gerade noch abzuspringen, bevor ich mich wieder mit den Problemen der Welt vom eigentlichen Leben vor meiner Nase ablenken lasse. Es ist ein Tanz zwischen verschiedenen Ebenen des Lebens und eine Kunst, jeder von ihnen Zeit zu widmen. Nur um die Probleme der Welt zu kreisen, frustriert. Nur die eigene Lebensrealit\u00e4t vor der Nase wahrzunehmen, macht gleichg\u00fcltig.\r\n<p>\n<em>\u201eIhr werdet die Welt nicht mehr ver\u00e4ndern wollen, indem ihr andere bezeugen und bekehren wollt. Ihr ver\u00e4ndert sie durch Selbstver\u00e4nderung, durch die Kraft des Lebens selbst und durch die Anteilnahme, die daraus erw\u00e4chst\u201c<\/em>\u00a0(Sabine Lichtenfels \u2013 \u201eQuellen der Liebe und des Friedens\u201c).&#13;\n<p>\nJoana dreht die Musik auf. Ich bin \u00fcberrascht, dass fast alle ihrer Aufforderung zu tanzen folgen. Die M\u00e4nner lernen von uns Merengue-Schritte und bringen uns Foxtrott bei. Wir tanzen barfu\u00df unterm Sternenhimmel bis in die sp\u00e4te Nacht hinein. Ich genie\u00dfe die Unbeschwertheit.\r\n<p>\n<em>\u201eSchwierigkeiten werden durch Leichtigkeit \u00fcberwunden\u201c<\/em>\u00a0(\u00d6stliches Sprichwort).&#13;\n<p>\n<a href=\"https:\/\/terra-nova.earth\/category\/magazin\/\">Magazin<\/a>&#13;\n<p><\/p><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elisa Gratias sees herself as a peacemaker in everyday life. We are surrounded by people. 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